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Eines der schwierigsten Kapitel überhaupt!
Ich höre Sie schon sagen:
Ich will doch eh nicht nicht züchten. Shows finde ich auch doof und arbeiten? Mein Hund muss doch nicht arbeiten - reicht doch, wenn ich täglich schuften gehen muss!
Also wozu braucht mein Hund Papiere? Nein, den ganzen Firlefanz brauche ich nicht. Die ganzen Hunde mit Papieren sind doch eh alle völlig überzüchtet, ständig krank und kosten auch noch einen Haufen Geld!
Alles was ich will ist ein gesunder und wesensfester Kumpel in meinem Leben!
Das oder ähnliches hört man an allen Ecken und manchmal klingt es ja auch gar nicht soo falsch. Denkt man sich so im stillen Kämmerlein, oder?
Doch jetzt komme ich:
Ich bin wahrlich nicht der große Zuchtspezialist, deshalb versuche ich dieses Thema einfach mit “gesundem Menschenverstand” anzugehen.
Ich versuche mal einen Vergleich aus der Automobilbranche (das gleiche Prinzip gilt aber eigentlich überall). Egal, ob sie einen Fiat oder einen Mercedes (oder was auch immer) fahren, egal ob Ihnen ihr Auto gleichzeitig Statussymbol oder reiner Gebrauchsgegenstand ist, was Sie zu recht erwarten ist doch, für ihr gutes Geld bestmögliche Verarbeitung und also “Leistung” zu bekommen. Dazu gehört, dass der Hersteller sich genaue Gedanken gemacht haben sollte, was er da zusammenschraubt. Warum er dieses Bauteil nimmt und nicht jenes. Dass er testet und vergleicht. Dass er bei der neuen Serie versucht alte Fehler zu verbessern usw. Und natürlich, dass das Auto am Ende geltenden Gesetzen entspricht und fahrtauglich ist. Viele Menschen verbringen vor dem Kauf eines neuen Gerätes viele Stunden, Tage, Wochen oder gar Monate damit, Testberichte zu lesen, Vergleiche anzustellen, evtl. Fachleute nach ihrer Meinung zu fragen usw.
Ein technisches Gerät kann man bei Nichtgefallen (wenn die Erwartungen z.B. nicht erfüllt werden) umtauschen. Wenn es nicht so funktioniert wie es soll kann man es reparieren. Auch verkaufen nach einiger Zeit ist ohne weiteres möglich.
Doch ein Hund ist ein Familienmitglied! Er wird sie im Normalfall mindestens 10, hoffentlich weit mehr Jahre begleiten. Fast immer um sie sein. Hat er (und Sie) da nicht verdient, dass Sie (und sein Züchter) sich eher noch mehr Gedanken über seine “Herstellung”, seine Herkunft und genetischen Voraussetzungen machen?
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Nun, Hersteller technischer Geräte unterliegen strengen Kontrollen. Bei Autos wird sogar noch während ihrer “Lebenszeit” durch den TÜV regelmäßig kontrolliert ob sie noch den Ansprüchen gerecht werden. Es gibt regelmäßige Statistiken, welche Autos hier auf Dauer wie abschneiden. Und seien Sie sich gewiss: Auch die Hersteller achten sehr wohl auf diese Rankings und versuchen häufig auftretende Fehler auszumerzen. Selbst von der billigsten Lichterkette verlangt man zumindest das CE-Prüfzeichen, sonst lässt man sie lieber im Laden liegen.
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Bei Hunden gibt es kein CE Prüfzeichen, kein TÜV überwacht, welche Zuchten lange ohne Mängel “funktionieren”, welche schon früh durch immer die gleichen Mängel auffallen usw.
Keiner achtet darauf? Doch!
Um bei dem Vergleich zu bleiben: Den Part des TÜVs übernimmt in etwa der VDH. Allerdings prüft er nicht alle “Fahrzeuge” sondern nur die Hersteller, die sich seinen Kriterien unterwerfen. Sicher sind diese Kriterien bei weitem nicht immer das Optimum dessen was möglich wäre. und er überprüft auch nicht jeden einzelnen Hund. Doch zumindest muss der Züchter sich Kontrollen gefallen lassen durch die gewährleistet wird dass er wenigstens einen mit gutem Gewissen vertretbaren Mindeststandard einhält! Er muss Züchterseminare und Fachkenntnis nachweisen, die Haltungsbedingungen der Hunde werden überprüft usw.
Genaueres übernehmen dann die einzelnen Rassenverbände. In unserem Fall ist das in Deutschland der DRC (Deutscher Retriever Club) oder LCD (Labrador Club Deutschland). Diese Verbände übernehmen dann z.B. die Rassenspezifischen Wesenstests, ohne die kein Hund eine Zuchtzulassung erhalten kann. Auch ob der künftige Zuchthund dem Rassesandart entspricht, ob er gesund genug ist um überhaupt für die Weiterzucht in Frage zu kommen, all das wird hier kontrolliert.
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Nun, die Retriever sind leider im letzten Jahrzehnt in Mode gekommen. Dies hat zur Folge dass viele geschäftstüchtige Menschen erkannt haben, dass man - wenn man es “richtig” angeht, mit ihnen schnell viel Geld machen kann.
Ich weiß nicht, was zuerst entstand. Jene unseligen Zuchtfarmen - viel öfter aber auch einfache Schuppen oder alte Ställe in die niemand eingelassen wird - in denen Welpen jeder Rasse und teilweise sogar Mischungen in kleinen Käfigen von zu Zuchtmaschienen degradierten Hündinnen “produziert” werden. Fast immer viel zu früh von ihren Müttern getrennt, noch nie irgendetwas gesehen haben (meist auch keinen Tierarzt) um dann billig verschachert zu werden. Oft per Internet verkauft und auf Wunsch sogar bis an die Haustür geliefert
oder die kleinen Vereine und Verbände (häufig Dissidenzzüchter genannt), die sich immer dreister werdend inzwischen sogar der Kürzel der “richtigen” Verbände bemächtigen. Dabei aber ihr eigenes Süppchen kochend, sich lediglich eigner zurechtgeschusterter Zuchtordnungen unterwerfend. Die Kontrolle des VDHs lehnen sie ab, brüsten sich aber immer öfter mit FCI (übergeordneter internationaler Verband) gezogenen Hunden zu züchten. Selbstverständlich stellen sie auch Papiere aus. Auch Gesundheitsuntersuchungen werden z.T. gemacht und sogar eigene Shows haben sie! Doch was sind ihre Papiere “wert”? - Haben Sie einen Drucker zu Hause stehen? Schieben sie ein leeres Blatt hinein und basteln Sie sich mit ihrem PC was nettes zusammen. Genauso viel sind diese Papiere “wert”! Die Pokale? Gehen Sie zu so einer Show! Finden sie auch nur einen Hund, der keinen erhält? Keinen toll klingenden Titel? Bravo! Dann haben Sie das unmögliche möglich gemacht! Die Gesundheitsergebnisse? Ja, Röntgenaufnahmen werden wohl gemacht. Von gewogenen “Haustierärzten” ohne amtlichen Gutachter. Finden Sie bei diesen Verbänden auch nur einen Hund, der offiziell HD (oder ED oder PRA oder Epilepsie oder oder oder) hat? Wohl kaum! Ob das wirklich daran liegt, dass die alle so gesund sind? Schauen Sie sich bei diesen “Züchtern” um: Fast ganzjährig gibt es Welpen häufig sogar vieler verschiedener Rassen. Jedem Besucher kann sofort ein knuffeliger Welpe in den Arm gedrückt werden. Die Anlagen sind sauber und gepflegt, häufig beide Elterntiere zu besichtigen. Die Hunde sind alle jüngeren oder mittleren Alters. Ältere Tiere? Fehlanzeige! Wer nicht mehr produzieren kann wird ausgemustert. Oder inzwischen hat man eh die Rasse gewechselt weil sich inzwischen andere besser verkaufen lassen.
Gar nicht zu sprechen von den Fällen, wo im hübschen Garten nur die Vorzeigehunde sind und irgendwo im Off ein großer Schuppen steht, in dem die wahren Produzenten der süßen Welpen dahinvegetieren!
Doch ich werde zynisch. Vieeel besser erscheint da doch der nette Nachbar, der seiner lieben Hündin ein mal in ihrem Leben Welpen “gönnen” möchte. Der Papa wohnt ebenfalls um die Ecke. Ist ja auch sooo ein netter Hund! Sie merken schon - es läuft ebenfalls auf nicht viel besseres heraus! Natürlich haben die Welpen in dem Fall das Glück, das sie wirklich mit Herzblut aufgezogen werden (ja, es gibt auch bei den Dissidenzvereinen “Züchter” die ihre Hunde wirklich lieben und ihr Bestes geben - Sie werden im folgenden noch lesen warum ihr “Bestes” lange nicht genug ist). Die Besitzer der Hündin geben sich alle Mühe, den kleinen Rackern alles zukommen zu lassen, was sie brauchen. Dass sie keine Papiere haben ist tatsächlich zweitrangig. Viel wichtiger ist nämlich auch hier, dass keiner der Beteiligten auch nur im mindesten eine Ahnung davon hat, was diese Welpen genetisch in sich tragen. Auch zwei völlig gesunde Eltern vererben u.U. tragische Krankheiten. Erinnern Sie sich an Ihren Biologieunterricht. Der Herr hieß Mendel! Viele Merkmale überspringen Generationen oder werden rezessiv vererbt so dass sie nur zum Vorschein kommen, wenn der Deckpartner sie ebenfalls trägt!
Wollen sie dieses Risiko tatsächlich für ihr künftiges Familienmitglied verantworten?
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Denn das ist für mich der allerwichtigste Grund, weshalb man Welpen in Deutschland ausschliesslich von Züchtern kaufen sollte, die Mitglied beim DRC oder LCD sind:
Nur, und wirklich nur diese Verbände verfügen über kontrollierte Datenbanken, in denen seit Generationen festgahlten wird, welche HD und ED Werte die einzelnen Hunde haben. Und diese Ergebnisse stammen eben nicht von irgendeinem nach persönlichen Präverenzen ausgewählten Tierarzt, sondern von genau einem vereidigten Gutachter! Das gleiche Gilt für den PRA-Gentest. Auch hier ist bisher nur ein Labor zugelassen... Um überhaupt eine Zuchtzulassung zu bekommen, muß jeder Hund einen Wesenstest bei einem ebenfalls speziell ausgewählten Prüfer machen. Er muß bewießen haben, dass er dem Rassestandard entspricht und seine Gesundheitswerte müssen im zulässigen Rahmen liegen.
Man kann diskutieren, ob nicht noch viel mehr nötig wäre. Natürlich plädiert die Arbeitsfraktion z.B. dafür, dass nur Hunde die auch durch Arbeitsprüfungen bewießen haben, dass sie die ursprünglichen Anlagen auch hier noch in hohem Maße in sich tragen. Es währe hilfreich, wenn wirklich alle Welpen die erforderlichen Gesundheitsuntersuchungen erhalten und die Ergebnisse ausnahmslos in die Datenbanken eingepflegt würden. So könnte man noch viel besser überprüfen, welche Krankheiten in welchem Maße weiter vererbt werden und sie demensprechend auch noch besser bekämpfen. Doch dies wird wohl leider nie Realität werden. Man kann nicht alle Welpenkäufer davon überzeugen, diese kostspieligen Untersuchungen zu machen und sicher wir es auch immer wieder vorkommen, dass unliebeige Ergebnisse verschwiegen werden. Und dennoch bieten diese Datenbanken dem verantwortungsvollen Züchter überhaupt erst die Möglichkeit, seine Verpaarungen aufgrund der Daten über viele Generationen hinweg zu überdenken.
Diese Chance hat kein Dissidenzzüchter und erst recht kein Hundebesitzer von nebenan, der seiner Hündin mal das Risiko einer Schwangerschaft und Geburt “gönnen” möchte!
Die Tierheime sind voll mit Hunden, die aus solchen Würfen stammen. Letzten Endes sind sie alle nichts anderes als genetische Wundertüten, bei deren Kauf Sie nicht ahnen können, was dabei raus kommt.
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Selbst wenn Sie das Glück haben sollten, aus einem solchen Wurf einen Hund zu bekommen, der in Wesen und Gebäude dem Standard entspricht. Auch wenn er sich Zeit seines Lebens bester Gesundheit erfreut - ein großes Problem haben Sie auf jeden Fall: Sie haben spätestens hier auf der Site gelesen, dass ein Retriever ein Arbeitshund ist. Je näher er also dem Ideal kommt, das für einen Labrador gilt, desto weniger wird es Ihnen gelingen, ihn durch bloses “Gassi-gehen” und kleine Spielchen glücklich und zufrieden zu machen. Ist er das aber nicht, so werden Sie es auch kaum mit ihm sein. Denn seien Sie sicher: Er wird Mittel und Wege finden, seinem Unmut Luft zu verschaffen!
Es ist nicht unbedingt nötig, ihn jagdlich auszubilden und tätig sein zu lassen um ihn glücklich zu machen, auch wenn das seine “eigentliche” Bestimmung ist. Die Dummyarbeit bietet z.B. ideale Möglichkeiten um ihn all seine genetisch angelegten Passionen ausleben zu lassen. Doch um dies fundiert zu lernen und die so erworbenen Kenntnisse womöglich eben doch auch einmal in einem Workintest mit anderen Vergleichen zu können bedarf es der “richtigen” Papiere!
Prüfungen werden ausschließlich von den VDH-angehörigen Zuchtverbänden angeboten und auch im Trainingsbereich gibt es wenig Trainier, die ihre Kurse außerhalb dieser Verbände und somit für Hunde ohne Pedigree anbieten. Wie also wollen Sie ihren Hund Rassegerecht auslasten?
Natürlich gibt es auch noch andere Beschäftigungsmöglichkeiten, die Ihrem Hund viel Freude bereiten können und die ihn angemessen fordern. Die Rettungshundearbeit ist z.B. so eine Sparte. Doch ist Ihnen bewußt, wie viel Zeit und Energie Sie hierfür aufwenden müssen? In Vereinen und Hundeschulen gibt es auch noch andere Sportarten. Agility, Flyball, Dogdance um nur einige zu nennen. Aber mal ganz ehrlich: Dafür gibt es weit geeignetere Rassen und ein Retrtiever wird damit vermutlich auf Dauer auch eher mäßig glücklich sein. Für den “Schutzdienst” ist er gar gänzlich ungeeignet. Sie wollen sich einen Speziallisten anschaffen - ermöglichen Sie ihm ein Rassegerechtes Leben!
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Denken Sie also bitte gut nach, bevor Sie entscheiden woher ihr künftiges Familienmitglied kommen soll! Möchten Sie für ein vom Hobbybastler selbst zusammengeschweißtes Vehikel mehr oder weniger viel Geld ausgeben, ihm ihr Leben anvertrauen, nur auf Nebenstrecken fahren dürfen und wenn Probleme auftauchen auch wieder nr zum Hobbybastler gehen können oder doch lieber auf einen Hersteller zurückgreifen, der ständigen Kontrollen und Vergleichen unterliegt, der seine Bauteile nur bei zertifizierten Zulieferern einkauft und bei dem Sie vollständige Garntien bekommen???
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